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Schiffsbeteiligungen

MARKTBERICHT SCHIFFFAHRT

06 / 2011

Das Jahr 2011 war kein besonders gutes Jahr für die Schifffahrt. Nach anfänglichen Erholungstendenzen, insbesondere in der Containerschifffahrt, ging es mit dem Beginn des Sommers, der keiner war, kontinuierlich bergab. Die Entwicklung führte dazu, dass die gegenwärtigen Aussichten deutlich schlechter sind als zu Jahresbeginn und wir dem Jahr 2012 sorgenvoll entgegen blicken müssen.

Sich aber nur pessimistisch zu zeigen widerstrebt meiner Natur und deswegen möchte ich gern etwas von meinem Optimismus an dieser Stelle darlegen und mit ihnen in das neue Jahr wechseln. Wer sich in der Schifffahrt auskennt und das Marktgeschehen seit einigen Jahrzehnten beobachtet, der weiß, dass die Schifffahrt schon immer zyklische Schwankungen gehabt hat und von jeder Talsohle – in einer solchen befinden wir uns gerade – der Blick frei wird auf den nächsten Berg den wir vor uns haben. Wann genau der Aufstieg auf diesen Berg beginnen wird, vermag ich leider nicht zu sagen und meine Kristallkugel hat vorübergehend die Konsistenz von Milchglas angenommen, schade eigentlich! Welche Begleitumstände dazu führen können, dass in einigen Bereichen der Schifffahrt bereits im Jahr 2012 eine Konsolidierung stattfinden könnte, werde ich im Folgenden dargelegten.


Der Bulkermarkt

Mit Ausnahme der Capesize und Panmax Bulker verloren alle anderen Schiffsklassen in diesem Marktsegment im Dezember gegenüber dem Vormonat November. Die Capesize Bulker konnten etwas zulegen und die Spotraten erreichten im Dezember schon wieder USD 32.000, aber wenn man sich die Entwicklung der letzten Monate anschaut, so darf man nicht vergessen, dass diese Schiffe über einen sehr langen Zeitraum Charterraten bekamen, die unterhalb der Schiffsbetriebskosten gelegen haben. Im Bereich des asiatisch-pazifischen Raumes wird der Markt immer noch durch ein sehr hohes Tonnageangebot belastet, wodurch die Tagesraten in dem Fahrtgebiet nur bei rund 50 % des Niveaus im Atlantik lagen.

Die kleineren Bulkcarrier hatten im Pazifik noch stärker zu kämpfen. Einige Handysize Neubauten, die frisch von der Werft kamen, lagen zunächst beschäftigungslos vor Anker. Die Anzahl der verfügbaren Schiffe ist einfach zu groß und die Raten sind am Boden. Unter anderem ein Auslöser für diese Situation sind Erz-Exporte aus Indien. Diese Exporte erfolgen normalerweise mit kleineren Bulkern, aber der Erz-Export läuft in Indien seit längerem auf Sparflamme. Deswegen gibt das keine positiven Impulse für den Markt!

Ein Hoffnungsschimmer für den Bulkermarkt sind die Zahlenangaben der IEA (Internationale Energie Agentur) zum Kohleverbrauch. Der Kohleverbrauch steigt weltweit sehr stark und die Kohle ist global betrachtet der wichtigste Primärenergieträger für die Stromgewinnung. In den kommenden fünf Jahren prognostiziert die IEA eine Zunahme des Kohleverbrauchs von rund 600.000 t pro Tag. Wenn diese Zahlen so eintreten, dann wird der Kohleverbrauch in den nächsten fünf Jahren um rund 1 Milliarde t steigen, ein positiver Impuls für den Markt!


Der Tankermarkt

Im Tankermarkt ist die Entwicklung der Charterraten in den verschiedenen Größenklassen noch sehr indifferent, aber zum Jahresende konnte im Großen und Ganzen ein Anstieg der Charterraten in den Spotmarktraten verzeichnet werden. Die Spotmarktraten bewegten sich im Bereich der VLCC zuletzt um die US-Dollar 20.000 pro Tag, was in Bezug auf die letzten Monateeine eine deutliche Steigerung darstellt. Bei den Suezmaxen erholte sich das Ratenniveau auf rund US-Dollar 28.000 und auch die Aframaxe und Panamaxe erholten sich zum Ende des Jahres. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahr 2011 für die Tankschifffahrt ein sehr schlechtes Jahr gewesen ist.

Auch das Jahr 2012 wird für die Tankschifffahrt ein schwieriges Jahr werden, nach Auffassung von Experten wird das Ratenniveau im Jahr 2012 für günstig erworbene Schiffe gerade eben auskömmlich sein, aber bei den zu teuer eingekauften Neubauten wird es sehr eng werden. Es steht zu befürchten, dass dem einen oder anderen Marktteilnehmer Schiffbruch droht und infolgedessen Verwertungen von Tankern betrieben werden und die Marktpreise dadurch weiter negativ beeinflusst.

Aber es gibt auch positive Aspekte, die sich in einigen Bereichen der Tankschifffahrt positiv auswirken können. Davon sind in der Hauptsache Produktentanker betroffen, weil nur in diesem Bereich positive Entwicklungen zu verzeichnen sind. Dazu gehört eine deutliche Verknappung von Dieselkraftstoff in China. Bedingt durch die Wintermonate wird in China verstärkt Heizöl benötigt und auch Dieselkraftstoff wird vermehrt benötigt, um mit Diesel betriebenen Generatoren dringend benötigten Strom zu erzeugen. Die chinesischen Raffinerien sind derzeit kaum in der Lage den Bedarf zu decken. Dies könnte sich positiv auf den Transport von Dieselkraftstoff und Heizöl mit Produktentankern auswirken.

In den USA ist eine große Raffinerie in Pennsylvania acht Monate früher geschlossen worden als ursprünglich geplant. Wir berichteten darüber bereits in einem früheren Report. Da kein Käufer für die Anlage gefunden werden konnte hat die zweite große Raffinerie an der Atlantikküste der USA ihren Betrieb eingestellt. Dies wird sicherlich einen positiven Effekt haben für die Produktentanker im Atlantik. Es ist ein weiteres Indiz für die Steigerung der Tonnenmeilen-Effekte, weil die Transportwege für die Produkte, die mit Produktentankern transportiert werden, immer länger werden und dadurch zusätzliche Flottenkapazitäten gebunden werden. Die positiven Auswirkungen der Raffinerieschließung werden wir zur Hälfte des ersten Halbjahres sehen können.

Der Containermarkt

Die gesamte Containerschifffahrt leidet unter einem Verdrängungswettbewerb, der sich durch alle Bereiche zieht und ruinös ist. Eigentlich handelt es sich mehr um einen Zermürbungskrieg, der auf den Routen von Fernost nach Europa stattfindet und zwischen den ganz großen Linienreedereien ausgetragen wird. Noch im Oktober kündigte die Reederei Maersk ein neues Produkt an mit dem Namen Daily Maersk. Ziel dieses Programms sollte eine tägliche Abfahrt auf dieser Fahrtstrecke sein. Aber die Intention, mit dieser Maßnahme durch einen flächendeckenden Fernost- Europa Verkehr, Wettbewerber auszuschalten, ist nicht aufgegangen.

Nachdem sich bereits die Reedereien MSC und CMA/CGM zusammen getan haben, um gegen die Absichten der Reederei Maersk bestehen zu können, hat es jetzt einen weiteren Zusammenschluss gegeben, der die Pläne von Maersk mit Sicherheit durchkreuzen wird. In der Woche vor Weihnachten ist der Zusammenschluss der Grand Alliance (Hapag-Lloyd, NYK, OOCL) und der New World Alliance (APL, HMM, MOL) verkündet worden. Diese, zukünftig unter der Bezeichnung G6-Alliance arbeitende Kooperation ist als Reaktion auf die Pläne der Reederei Maersk zu sehen.

Die noch verbleibenden Carrier in diesem Markt werden zweifelsfrei das gleiche machen, damit bei dem Zermürbungskrieg keiner auf der Strecke bleibt. Wenn die beteiligten Parteien nicht bereit sind dieses Marktsegment mit Samthandschuhen zu behandeln, dann wird sich der Ratenkrieg im Jahr 2012 intensivieren und es wird buchstäblich zu einem Desaster für alle Carrier auf diesem Markt werden.

Ein Hoffnungsschimmer tut sich im Bereich der Containerfeederschiffe auf. Dies liegt einfach darin begründet, dass in dem Bereich bis etwa 3000 TEU eine starke Unterbauung im Vergleich zu den großen Schiffen besteht. Dies hat unweigerlich zur Folge, dass mit steigendem Transportaufkommen durch die Megacarrier zusehends mehr Feederschiffe benötigt werden, um die Containermengen zu verteilen. Wenn aber nicht genügend Feederschiffe zur Verfügung stehen, wird sich dies zwangsweise in einer Erhöhung der Charterraten niederschlagen. In diesem Punkt sind sich alle Marktteilnehmer einig, dass für den Bereich der Feederschiffe eine Charterratenerholung zu erwarten ist.

 

Sicherlich sind die Aussichten für das Jahr 2012 im Bezug auf die Schifffahrt nicht die allerbesten! Aber ich habe als Optimist, der ich schon immer gewesen bin, eine Aversion gegen Profinörgler und Berufszauderer, weil die grundsätzlich alles mies machen – und das ist mit meinem Optimismus nicht kompatibel. In den vergangenen 40 Jahren habe ich eine Reihe von Krisen beobachten können und vertraue darauf, dass der Markt auch bei dieser Schifffahrts-Krise wieder zur Normalität zurückkehren wird.

Mit dieser Hoffnung möchte ich Sie in das Jahr 2012 schicken, wünsche ich Ihnen alles Gute, Gesundheit und eine positive Entwicklung für die Märkte in 2012!


 

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