|
Michael Rathmann kommentiert:
Die Leistungsbilanzanalyse zum 31.12.2007
Steter Tropfen höhlt den Stein!
Die jahrelangen Forderungen nach einem Standard in der Erstellung
von Leistungsbilanzen tragen endlich Früchte. Verschiedene
Marktteilnehmer, die sich mit diesem Thema kritisch auseinandersetzen,
haben es erreicht, dass sich immer mehr Schiffsemissionshäuser
mit der Darstellung ihrer Leistungsbilanzen an ein einheitliches
Raster halten. Dadurch werden die Leistungsbilanzen lesbar
und vergleichbar für den Leser. Die nachfolgende
tabellarische Übersicht gibt Ihnen einen Überblick
auf den 31.12.2007. Doch bevor Sie, liebe Leserinnen und Leser,
die Tabellen lesen, sollten Sie dem nachfolgenden Text ein
klein wenig Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, weil darin
einige sehr wichtige Dinge eingehend erläutert werden.
In der HANSA erscheint diese Veröffentlichung der Leistungsbilanzdaten
zum dritten Mal (siehe HANSA 04/2008), für mich selbst
ist es das siebte Mal, dass ich diese Analyse erstellt habe.
Im ersten Jahr der Leistungsbilanzanalyse per 31.12.2001 wurden
mir seitens der Emissionshäuser nur 15 Leistungsbilanzen
vorgelegt, die überhaupt verwertbar waren. Deswegen
erging meinerseits die Bitte und der Hinweis an die Emissionshäuser,
darauf zu achten, dass gewisse Grundnormen eingehalten werden,
um sowohl den Anlageberatern als auch den Anlegern ein probates
Mittel an die Hand zu geben, das transparent und aussagefähig
für Anlageentscheidungen ist.
Im Verlauf der Jahre hat diese konsequente und nachhaltige
Arbeit dazu geführt, dass immer mehr Emissionshäuser
ihre Leistungsbilanzen in einem einheitlichen Standard erstellen.
Für die Leistungsbilanzanalyse per 31.12. 2007 habe ich
insgesamt 51 Gesellschaften angeschrieben, von denen mir 39
Gesellschaften (Vorjahr 33) ihre Leistungsbilanz zur Verfügung
gestellt haben. All diese Leistungsbilanzen waren ohne Probleme
auswertbar.
Nachdem der Verband Geschlossene Fonds (VGF) Ende 2007 Leitlinien
definiert, wie Leistungsbilanzen aufgebaut sein sollten, ist
die Zahl der verwertbaren Leistungsbilanzen weiter gestiegen.
Die Pionierarbeit, die über viele Jahre geleistet wurde,
hat es für den Verband sicherlich erleichtert, vernünftige
Leitlinien zu erarbeiten.
Die wichtigsten Parameter, die eine Aussage über Erfolg
oder Misserfolg einer Beteiligung geben, sind die Ausschüttungen
an die Anleger, kumuliert über die Laufzeit eines Fonds,
mit den Plan- und Ist-Werten. Gnadenloser kann keine Zahl
den Verlauf einer Beteiligung wiedergeben. Der zweite, nicht
minder wichtige Wert ist der Stand der Schiffshypotheken im
Verlauf des Fonds mit den Plan- und Ist-Werten zum jeweiligen
31.12. eines jeden Wirtschaftsjahres, auf das die Leistungsbilanz
erstellt wird. Auf diese beiden Kernaussagen stützt sich
meine Analyse. Als schmückendes Informationsbeiwerk gibt
es noch die Aussage über die Kapitalbindung, immer bezogen
auf das eingezahlte Nominalkapital zuzüglich des jeweils
erhobenen Agios, üblicherweise 5 % des Nominalkapitals.
Doch nun zu den Tabellen und deren Aussage. Grundsätzlich
sind die Werte für Ausschüttungen und Hypothekenstände
in den Plan- und Ist-Werten aus den Leistungsbilanzen ausgewertet
worden. Ergebnisverbesserungen gegenüber den prospektierten
Werten sind als positive Abweichungen erfasst worden. Dementsprechend
gibt es eine Bewertungsspalte für prospektkonforme Entwicklung,
sowie eine Spalte für schlechtere Entwicklung als prospektiert.
In der tabellarischen Darstellung der Werte ist unterteilt
worden in die Anzahl der Emissionen, die insgesamt getätigt
wurden. Dies ist aus Gründen der Vergleichbarkeit älterer
und jüngerer Emissionshäuser notwendig geworden.
Die Unterscheidung erfolgt für Emissionshäuser,
die bis zu 10 Fonds platziert haben und denen, deren Platzierungsvolumen
über 10 Fonds liegt. Dies trägt dem Umstand Rechnung,
dass es eine größere Anzahl junger Emissionshäuser
gibt, die erst seit wenigen Jahren am Markt sind. Diese Häuser
sind in einem Zeitraum erhöhter Nachfrage in der Schifffahrt
entstanden und haben noch keine schwierigen Phasen im Markt
erlebt, im Gegensatz zu vielen älteren Emissionshäusern.
Zur Vervollständigung des Gesamtbildes möchte ich
noch erwähnen, dass folgende Emissionshäuser keine
Leistungsbilanz vorgelegt haben: Embdena, FAFA-Capital, KS-Frisia,
Steiner Company und Turkon. Die Hartmann-Reederei wird nach
eigenen Aussagen eine Leistungsbilanz erst für 2008 erstellen.
Das Emissionshaus Blueships ist erst in 2007 gegründet
worden und erstellt deshalb erstmals eine Leistungsbilanz
für 2008. Die Leistungsbilanz der Oltmann-Gruppe ist
nicht auswertbar, weil sie nicht dem Standard entspricht und
wesentliche Angaben fehlen. Folgende Marktteilnehmer haben
keine Leistungsbilanzen, weil sie sich nicht als Emissionshaus
sehen: Beluga Shipping, Briese Schifffahrt und Reederei Jüngerhans.
HPI Consult hat auf eine Leistungsbilanz verzichtet, weil
bis auf weiteres keine Fonds geplant sind.
Fazit
Die Entwicklung der einzelnen Schiffsemissionshäuser
ist völlig unterschiedlich verlaufen. Dies ist ersichtlich
aus den Vorjahreszahlen, die in der Tabelle mit ausgewiesen
sind. Sicherlich wird in der zukünftigen Entwicklung
der Leistungsbilanzen für die Jahre 2008 und folgende
eine entscheidende Rolle für die Bewertung der Ausschüttungen
die Entwicklung des US-Dollars sein. Die Auswirkungen der
Finanzkrise wird man sicherlich erst in den Leistungsbilanzen
2009 bis 2011 sehen können, weil sich der Rückgang
in der Schifffahrt hier am deutlichsten auswirken wird.
Die restriktive Kreditpolitik der Banken, die Nachverhandlungen
von bestehenden Charterverträgen und das sich abzeichnende
Ende bestehender Charterverträge ohne Aussicht auf Anschlussbeschäftigungen
macht es aus Gründen kaufmännischer Sorgfalt notwendig,
auf Ausschüttungen zu verzichten und die so eingesparte
Liquidität für Krisenfälle im Unternehmen zu
belassen. Die Auswirkungen solcher Maßnahmen werden
zukünftig im Rahmen der Leistungsbilanzanalyse entsprechend
kommentiert werden müssen.
Zur
Leistungsbilanzanalyse.
|